Der "Schelm" ist eine im
Internet abrufbare Publikation einer unbekannten Autorengruppe oder
eines Einzelautors die den Zweck hat, wissentlich Unwahrheiten
über den Tabakkonsum und seine Folgen im WWW zu verbreiten. Angesiedelt
sind der oder die Autore(n) im Umfeld eines sog. "Netzwerk Rauchen e.
V.", einer militanten und extrem aggressiven Splittergruppe, die sich auf
die Fahnen geschrieben hat, den Nichtraucherschutz in Deutschland
wieder abzuschaffen, damit insbesondere ihre Mitglieder und
Sympathisanten wieder ungehindert immer und überall Tabakdrogen
konsumieren können.
Ein wesentlicher Teil der Strategie dieser dubiosen Gruppe ist es, immer
neue Webpräsenzen zu erfinden um ihre offenkundigen Unwahrheiten unter das Volk
zu streuen. Eine dieser Präsenzen ist ein kleines "Blättchen" namens "Neues vom
Schelm" (http://neues-vom-schelm.de/).
Dort werden in unregelmäßigen Abständen Traktate
veröffentlicht, die ausschließlich der gezielten
Desinformation und der Lüge dienen. In diesen Texten wird mit sehr
einfachen rhetorischen Mitteln versucht, gegen den Nichtraucherschutz
Stimmung zu machen und die seriöse Wissenschaft, die sich mit
demTabakrauchen und seinen teilweise schrecklichen Folgen auseinandersetzt,
zu diskreditieren.
Eines dieser Pamphlete möchte ich nachfolgend exemplarisch untersuchen, um herauszuarbeiten,
mit welchen inhaltlichen, textlichen und stilistischen Mitteln die Autoren
arbeiten, um ihre unseriösen Ziele gegen alle Vernunft zu realisieren.
Hier das
Original des Textes: http://neues-vom-schelm.de/_gesund.html
Originalpassagen sind in rot gehalten.
Raucher sterben früher
Dies dürfte so
ziemlich die einzige wahre Aussage in der ganzen textlichen Darbietung
sein. Da sie am Anfang steht, kann man hier die Lektüre auch einstellen. Aber wir wollen ja den Text analysieren...
Rauchfrei, gesund und
glücklich?
Schon alleine diese erste Frage ist suggestiv. Und derartige Fragen
werden uns noch sehr oft begegnen. Die Antwort wird, wie bei
Suggestivfragen üblich, dann gleich mitgeliefert, und sie lautet
zwangsläufig "Nein". Zumindest in der Sicht der Autoren. Denn wer
seine eigene Gesundheit permanent ruiniert, dem ist wohl kaum
zuzutrauen, dass er die obige Frage mit "Ja" beantwortet. Und es ist ja
auch allgemein bekannt: dass man durch Rauchverzicht nicht nolens
volens und damit zwangsläufig glücklich wird. Aber dass man
durch Nichtrauchen gesünder wird, ist jedem normalen Menschen
einsichtig. Da man aber nicht glücklicher wird, so wird einem von
den Autoren suggeriert, wird man eben auch nicht gesünder. Ein
sehr leicht zu durchschauendes sprachliches Vorgehen indem
man Begriffe vermengt, die positiv besetzt sind. Negiert man dann
den einen, negiert sich der andere automatisch mit.
’Rauchen
schadet Ihrer Gesundheit’: eine Binsenweisheit, die allgemein bekannt ist und
von nahezu jedem akzeptiert wird.
Durch diese Formulierung
soll die angebliche "Binsenweisheit" (die bekanntermaßen gesicherte Erkenntnis
ist) in Zweifel gezogen werden. Denn wenn "nahezu jeder" sie akzeptiert (was in
der Sicht der Autoren wohl falsch ist), so wird es auch einige wenige Wissende
geben, die sie nicht akzeptieren. Und wer dies ist, ist natürlich ebenfalls schon
klar. Mit anderen Worten: Die Masse lässt sich verdummen, die Damen und
Herren Nikotinsüchtigen, die diesen Text verfasst haben, gehören zum kleinen
Kreis der Wissenden und lassen uns nun daran teilhaben. Man darf also gespannt
sein.
Stimmt es aber wirklich, dass wir Raucher,
würden wir nur mit dem Rauchen aufhören, dann auch gesünder bleiben und länger
leben würden?
Interessant an diesem Text ist, dass er
einleitend fast nur mit Fragen aufwartet und im Gegenzug keinerlei konkrete Aussagen oder gar Antworten auf die Fragen
liefert. Die Fragen beziehen sich dabei immer auf gesichertes Allgemeinwissen, das den
Autoren aber bei der Verfolgung ihrer Ziele aber ungelegen kommt, und daher stellen
sie dieses als fragwürdig dar. Ein Sachverhalt, den man nicht akzeptieren mag, wird also
durch Fragen in Frage gestellt.
Immerhin gab es
schon genügend andere Fälle, in denen hat es die Menschen eben nicht gesünder
gemacht, wenn sie gläubig taten, was gerade als ‚gesundheitsfördernd’ in aller
Munde war. Denn die Wissenschaft hat dabei schon so manchen Irrweg
eingeschlagen.
Auffällig ist hier auch wieder das vollkommene
Fehlen von Belegen. Wo haben Menschen, die gesund leben, durch eben diesen
Lebensstil gesundheitliche Nachteile erlitten? Kein Beleg, kein Beweis, nur
Mutmaßungen und unbewiesene Behauptungen werden angeführt. Dass es "immerhin" entsprechende Fälle
gegeben haben soll, ist reines Stammtischgeschwätz, vollkommen
unwissenschaftlich und vom kognitiven Niveau her äußerst dürftig. Und am Ende
des Absatzes erscheint dann noch ein sehr ungenauer Verweis auf "die
Wissenschaft" im Allgemeinen. Welche Wissenschaft (Medizin, Biologie, Chemie,
Physik oder eine Geisteswissenschaft) genau gemeint ist, welche Studien oder
Erkenntnisse betroffen sein könnten, wird ebenfalls verschwiegen. Fazit: Nichts
Konkretes, nichts Nachprüfbares, keine Wissenschaft. Nur sinnleeres und
weitgehend dummes Gerede.
Das kann
selbstverständlich auch das Rauchen betreffen.
Aha. Jetzt
kommt man zum Kern der Sache. Es könne auch das Rauchen betreffen. Aber
auch hier wieder keinerlei Konkretisierung, keine Verdeutlichung, was genau
gemeint ist. Jeder Leser darf sich selbst aussuchen, wie er den Satz verstehen
möchte. Nur inhaltsloses Bla-Bla, das man so oder ähnlich auf jedem
Stammtischtreffen hören kann wenn nur genug geraucht wird. Und es wird in aller
Regel von Menschen ausgesprochen, die vermutlich genau so viel von Wissenschaft
verstehen, wie die Autoren dieses Textes. Nämlich rein gar nichts.
Sie finden diesen Satz ketzerisch? Wissenschaft sollte aber
immer die unvoreingenommene Suche nach der Wahrheit sein. Sonst verhält sie sich
wie der Mann aus dem Witz, der seinen Schlüssel unter der hellen Straßenlaterne
leichter zu finden glaubt, obwohl er ihn dort gar nicht verloren
hat.
Das Problem dieser Autoren ist eben, dass sie mit
(Natur-)Wissenschaft nicht viel am Hut haben, erkennbar allesamt über keinerlei
entsprechende wissenschaftliche Ausbildung verfügen, im Gegenzug aber meinen, mit der
Wissenschaft ganz allgemein ins Gericht gehen zu müssen. Derartig hanebüchen
vorgetragene Wissenschaftskritik von Nicht-Wissenschaftlern wirkt dabei einfach nur
lächerlich. Ziel der Autoren ist es also vordringlich, allgemein Zweifel am Arbeiten von
Wissenschaft zu säen. Einer Wissenschaft, die man nicht versteht, deren
Ergebnisse man aber missbilligt, weil sie der eigenen Auffassung von den
Ursachen und Folgen des eigenen Tabakdrogenkonsums widersprechen.
Und
über den nachgeschalteten "Witz" muss man gar nicht reden. Dieser besitzt so viel
Themenbezug als ob man das Rezept einer "Pizza Margherita" in dem Text
eingeflochten hätte.
Der Mensch als Ganzes ist
mehr als nur die Summe seiner als ‚Einzelteile’ betrachteten Organe und eine
Antwort auf die Frage, was Sie gesund erhalten wird, gar nicht so
einfach.
Und hier wird es dann endlich wirklich esoterisch,
wir haben ja schon darauf gewartet. Der Mensch sei ein Ganzes, so wird gesagt.
Das ist zwar schön und richtig, aber leider auf das Thema "Rauchen" nicht
anwendbar. Denn wer raucht, schädigt zwar alle Organe mit den zugeführten
giftigen und krebserregenden Substanzen, aber es wird immer in aller Regel ein
Organ zuerst versagen. So erleidet das Opfer dann einen Schlaganfall, einen
Herzinfarkt oder es bildet sich ein Tumor in einem Organ. Das traurige und
fatale Ergebnis das jahrelangen "Rauchgenusses".
Stoffe zu vermeiden, von denen Sie befürchten, krank zu werden,
kann nicht falsch sein.
Man lese diesen Satz, reflektiere
kurz, und gehe dann sofort zum nächsten:
Andererseits zeigt sich daran, dass Kinder, die in sehr
hygienischen Verhältnissen aufwachsen, besonders häufig an Allergien und Asthma*
leiden, dass zu wenig Kontakt mit schädlichen Stoffen auch schaden
kann.
Diese Anordnung von Sätzen ist symptomatisch für das Vorgehen
der Autoren. Sachverhalte, die keinen Bezug zueinander habe, die aber
oberflächlich betrachtet verknüpft sind, werden in einem
Atemzug genannt. Aus der Nacheinanderschaltung dieser beiden Sätze
(deren Aussagen sich auf völlig unterschiedliche Sachverhalte von
exogenen Einflussfaktoren beziehen), erreicht die gesamte Aussage beim
Leser folgenden Eindruck: "Wenn ich Tabakrauch einatme, stabilisiert
dies meine Gesundheit."
Die Realität: Jeder weiß, dass man sich von bestimmten Stoffen tunlichst
fernhalten sollten, besonders von toxischen (giftigen) und kanzerogenen
(krebserregenden) Stoffen. Also sollte man unter allen Umständen nicht rauchen
und auch keinen Tabakrauch einatmen. Diese chemischen Schadstoffe haben
allerdings nichts mit der Allergievermeidung aus dem zweiten Satz zu tun. Denn
bei der heute oft übertriebenen Hygiene, auf die dieser Satz abzielt, handelt es
sich um das Vermeiden von Kontakt mit Bakterien und Viren, also mit
Krankheitserregern, die z. B. viele Eltern durch ständige Desinfektion der Oberflächen
von ihren Kindern fern zu halten versuchen. Hier werden also aus Gründen der
Desinformation zwei völlig unterschiedliche Schadauslöser vermengt: Kanzerogene
und Gifte des Tabakrauches auf der einen Seite und eher harmlose Bakterien und
Viren auf der anderen.
USA: Weniger Rauch - mehr
Kranke
Nun wird wieder eine unbewiesene und aus dem
Zusammenhang gerissene These schlagwortartig in den Raum gestellt.
Die USA gelten beim Kampf gegen das Rauchen als sehr
erfolgreich. Fragt man aber nach der Entwicklung der Lebenserwartung der
Amerikaner oder nach den Kosten des Gesundheitswesens, erfährt man: Beides, also
auch die Gesundheit der US-Bürger, hat sich in den letzten Jahren
verschlechtert.
Anschließend wird wieder in vollkommen
unwissenschaftlicher Weise versucht, eine beliebige Korrelation mit einer
Ursache-Wirkungskette (einer Kausalität) gleichzusetzen.
Möglicherweise
ist ja der durchschnittliche Gesundheitszustand der Amerikaner tatsächlich in
den letzten Jahrzehnten abgesunken. Dies hat aber nichts damit zu tun, dass
weniger geraucht wird, sondern dass die Armut und soziale Ungleichheit in
Amerika seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stetig angestiegen
ist. Dadurch wurde die Ernährungslage vieler Familien in den USA schlechter, ein
großer Teil der US-Bürger hat keine Krankenversicherung und kann sich daher
nicht oder nur sehr eingeschränkt medizinisch versorgen. Die Folge: Bis es zu
einer medizinischen Behandlung kommt ist eine Krankheit in aller Regel schon
weit fortgeschritten. Zusätzlich sinkt das Bildungsniveau (wie auch in anderen
Ländern) ständig. Dies sind alles Faktoren, die der gesamten Volksgesundheit
abträglich sind. Eine Kausalität eines verschlechterten
Allgemeingesundheitszustandes mit einer steigenden Tabakabstinenz ist also nicht
gegeben, sie ist rein fiktionaler Natur.
Je
weniger die Amerikaner rauchten, desto mehr stieg in den USA außerdem der Konsum
von Psychopharmaka*. Die Befreiung von der Zigarette hat sie offenbar nicht
freier und glücklicher, sondern vielmehr kranker und unglücklicher
gemacht.
Auch hier wieder der Versuch, durch eine beliebige
Korrelation eine Kausalität nachweisen zu wollen. Der erhöhte Verbrauch von
Psychopharmaka hat viele andere möglichen Ursachen: Eine leichtere Verfügbarkeit
der Präparate am Markt, mehr Armut und sozialer Abstieg in der Bevölkerung wobei
die vergleichsweise billigen Pharmaprodukte als zumindest zeitweiliger Ausweg
aus der eigenen desolaten psychischen Befindlichkeit gesucht werden etc. etc.
All dies sind wesentlich wahrscheinlichere Ursachen als ein einfacher
Umstieg von der Tabakdroge hin zu Psychopharmaka.
’Diese gleichzeitige Entwicklung ist nur Zufall!’, behauptet
unser Gesundheitspolitiker nun vermutlich.
Und sie tun das zu
Recht, weil es keinen wissenschaftlichen Beweis für eine Kausalität
gibt.
Richtig ist, dass der Schelm natürlich nicht
beweisen kann, dass es kein Zufall ist.
Eben. Aber er versucht
es trotzdem. Und zwar über den Weg der unzähligen Konjunktive, der exzessiven
Verwendung der Möglichkeitsform und der unbewiesenen Hypothesen in
Frageform.
Aber wenn er in der Zeitung liest, dass
unter den optimistischsten Menschen auffallend viele Raucher
sind,
Wenn dem so wäre, dann dürften primär die Pessimisten
unter den Rauchern einen Herzinfarkt, Lungenkrebs und Schlaganfall erleiden. Die
Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Auch gibt es keinen
wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen psychischer Grundstimmung und der
Wahrscheinlichkeit, als Mensch im Laufe seines Lebens z. B. eine Krebserkrankung
zu entwickeln.
unzufriedene und unglückliche
Menschen leichter krank werden und
Optimisten länger leben als Pessimisten,
dann fällt ihm ein, dass Fachleute außerdem bestätigen, dass Angst, Stress und
Schuldgefühle krank machen können.
Hier lassen sich die
Autoren wieder vollends auf das Niveau der Esoterik herunter um gezielte
Desinformation zu bewirken. Und wie ist eigentlich "krank" definiert? Natürlich
sind Menschen mit pessimistischer Grunddisposition anfälliger z. B. für seelische Erkrankungen wie etwa die
Depression. Aber eine Depression oder eine psychosomatische Störung ist kein
Lungenkrebs und führt nur selten zum Tode es sei denn durch vereinzelten Suizid.
Genau
diese Mittel werden aber ganz gezielt eingesetzt, wenn es darum geht, Raucher
zum Nichtrauchen zu bekehren.
Dass es wissenschaftlich
erwiesen ist, dass inhalatives Tabakrauchen mit einem erheblichen
Frühsterblichkeitsrisiko behaftet ist, haben bereits Doll und Peto vor 40 Jahren
nachgewiesen: (http://www.oncoprof.net/Generale2000/g02...ex_gb-pr09.html). Es
existieren keine wissenschaftlichen Zweifel, dass Raucher tendenziell wesentlich
früher sterben als Nichtraucher.
Neben dem
bekannten Placebo-Effekt, der bewirkt, dass auch unwirksame Medikamente oft
helfen, wenn der Patient an eine heilende Wirkung glaubt, ist auch der
umgekehrte Effekt, Nocebo-Effekt* genannt, in die Diskussion gelangt. Damit
wurde das Phänomen benannt, dass ständige Warnungen vor einer Krankheit
ebenfalls krank machen können. Es ergibt also durchaus einen Sinn, zu vermuten,
dass der Kreuzzug gegen den Tabak der Gesundheit der Amerikaner mehr geschadet
als genützt hat.
Auch dies ist eine gezielte
Falschinformation. Es existiert keine wissenschaftliche Studie, nach der
Personen, die sich gesundheitsbewusst verhalten, weil sie bestimmte Krankheiten
vermeiden wollen, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit diese Erkrankungen
erleiden. Die These "Krebsangst erzeugt Krebs" ist ebenso unwissenschaftlich wie
der ganze Text dieser Autoren, die überdies ihren Namen bewusst nicht nennen
wollen. Eine weitere glatte Lüge also.
Die Erkenntnisse von heute ...
...
sind bekanntlich oft die ‚großen Irrtümer’ von morgen.
Ein schönes Wort "bekanntlich". Hier wäre zu fragen, wo das
geschrieben steht. Vielleicht im esoterischen Basiswissen der Redaktion
des "Schelm". Mit ist dieser Sachverhalt jedenfalls bis dato nicht
bekannt und ich beschäftige mich täglich mit Wissenschaft.
In Wirklichkeit hat
die Medizin noch sehr wenig von dem verstanden, was im menschlichen Körper
abläuft, wenn jemand krank wird.
Auch dies ist eine
Falschinformation. Speziell auf das Rauchen bezogen sind die Mechanismen, die z.
B. zur vermehrten Entstehung von Gefäßkrankheiten unter Tabakeinwirkung frühren
genau aufgeklärt. Ebensolches gilt für die Karzinogenese (Krebsentstehung) von
Lungenzellen durch Mutation des p53-Tumorsuppressorgens durch die im Tabakrauch
enthaltenen Kanzerogene wie das Benz(a)pyren.
[...]
140.000 Menschen pro Jahr sollen es zum Beispiel sein, deren
Tod das Rauchen verschuldet - obwohl es noch in keinem einzigen Fall gelungen
ist, zu beweisen, dass jemand tatsächlich am Rauchen gestorben
ist.
Hier wird wieder die beliebte These wiedergekäut, nach
der das Rauchen keine direkte Todesursache sei. Mit der gleichen Begründung
könnte man sagen, dass eine Person nicht an einer Gewehrkugel gestorben ist,
sondern an bestimmten inneren Verletzungen. Dass diese Verletzungen aber nicht
eingetreten wären, wenn nicht jemand auf das Opfer mit einer Waffe gefeuert
hätte, lassen die Autoren dezent aus der Betrachtung herausfallen. Natürlich
stirbt niemand direkt an einer Zigarette. Er stirbt an einer unheilbaren
Krankheit. Dass diese Erkrankung, wie z. B. der Lungenkrebs aber fast nur
Raucher trifft (hier speziell das "kleinzellige Bronchialkarzinom", das seine
Opfer zu 99% unter Raucher findet) und damit durch das Rauchen verursacht wurde,
steht auf einem anderen Blatt. Rauchen ist die Ursache tödlicher Krankheiten.
Punkt.
[...]
Für manche Krankheiten gibt es
in Deutschland wenigstens recht genaue Schätzzahlen, zum Beispiel für den
Lungenkrebs. Vergleicht man diese Zahlen mit dem, was sich aus dem ‚relativen
Risikos’ für Raucher ergibt, passt da vieles nicht so richtig
zusammen.
Dies gilt nur, wenn man nicht in der Lage ist, wissenschaftliche
Veröffentlichungen zum Thema "Rauchen und Lungenkrebs" zu lesen oder zu verstehen.
Interessant ist auch, dass die Autoren hier wieder nicht konkret wird. Es
bleibt also wie in dem ganzen Pamphlet bei vagen Andeutungen, die
niemals auch nur annäherungsweise genau benannt werden. Man findet am
Ende der Originalwebseite zwar ein paar Quellenangaben, aber die
relevanten Verweise (z. B. auf Doll/Peto) fehlen.
Ein schönes Thema
ist das sicher nicht. Dennoch wird der Schelm Ihnen noch berichten, was er
darüber herausgefunden hat. Dazu muss er Sie aber aus Platzgründen auf eine
eigene Ausgabe vertrösten.
Leider haben wir vom "Schelm"
diesbezüglich nie wieder etwas gehört. Warum wohl? Weil es mehr Erfolg
verspricht, ein paar Nebelbomben abzuwerfen anstatt seine Behauptungen seriös zu
untermauern? Oder schlicht und einfach, weil es keinen Beweis für die
Behauptungen gibt? Warten wir also weiter....
Es ist Mode geworden, das
Rauchen für alle möglichen Krankheiten vom Fußpilz aufwärts verantwortlich zu
machen,
Hier wird wieder maßlos übertrieben. Das passt aber
ins Bild, denn wenn man nichts zu sagen hat, muss man eben
übertreiben.
[...]
Ein Mann leistet im
Schichtdienst schwere körperliche Arbeit. Weil besonders pflichtbewusst,
schleppt er sich einmal sogar mit einer schweren Grippe noch zur Arbeit, und das
bekommt ihm schlecht. Am Ende landet er im Krankenhaus. Das Herz, stellen die
Ärzte dort fest. Kein Wunder, oder?
Eine wirklich rührende
Geschichte, schauen wir mal, wie sie weiter geht:
Die Ärzte interessieren sich aber gar nicht für die
Vorgeschichte.
Woher weiß der Autor das?
Erst als sie erfahren, dass der Mann außerdem auch noch raucht,
merken sie auf: Ein Raucher mit Herzbeschwerden, aha! Untersuchungen und
Behandlungen werden angeordnet - und zwar genau so, dass es für einen Raucher
passt, der wegen des Rauchens krank geworden ist.
Die
Untersuchungen und die Therapie für akute Herzbeschwerden unterscheiden sich
aber nicht nach "Rauchern" und "Nichtrauchern" außer dass man dem Raucher den
Rat geben wird, das Rauchen aufzugeben.
Andere,
eigentlich viel näher liegende Untersuchungen werden verschoben oder gar nicht
gemacht.
Wieder eine unbewiesene Behauptung aus der
Gerüchteküche. Ärzte würden sich einer schweren Pflichtverletzung schuldig
machen, wenn sie Untersuchungen unterlassen würden, die zu Standardverfahren im
Rahmen einer Diagnosestellung gehören.
Zum Glück kann man im Fall einer durch Grippeviren verursachten
Herzmuskelentzündung nicht viel falsch machen,
Oh doch, kann
man. Aber das muss der vollkommen unwissende Autor ja nicht wissen. Aber die
Myokarditis wird durch Rauchen des Patienten nicht gerade leichter zu
therapieren.
und so wurde der Patient wieder
gesund. Das ist aber nicht der Mühe zu verdanken, die man sich mit der
vergeblichen Suche nach dem Beweis dafür gemacht hat, das Rauchen sei es
gewesen, was ihn krank gemacht habe.
Ein rührende Geschichte.
Bleibt nur noch anzumerken, dass Tabakrauchen das Risiko für Herzbeschwerden
erheblich erhöht. Was auch wieder wissenschaftlich beweisen ist.
Blinder Eifer dieser Art hat in der Medizin nichts zu suchen,
und genauso wenig in der Wissenschaft.
Eine haltlose
Unterstellung. Für die hier aufgestellten Behauptungen des Autors gibt es wieder
keinen Beleg.
Normalerweise muss man das niemandem
extra sagen, aber beim Thema Rauchen wird es allmählich nötig. Wenn ein
Wissenschaftler Fragen wie ‚Hat das Rauchen vielleicht auch positive Wirkungen,
wenn so viele Raucher darauf nicht verzichten wollen?’ nicht mehr stellen kann,
ohne damit seine Karriere zu riskieren, geht es um eines nicht mehr: Um unser
Wohlergehen.
Es gibt KEINE positiven Effekte
des Tabakrauchens. Sogar die angeblich protektiven Wirkungen bei Morbus
Alzheimer ist widerlegt. Einzig beim Morbus Parkinson gibt es
schwache Hinweise, dass Nikotinkonsum zu einer geringfügigen
Senkung des Risikos beitragen könne. Aber was ist das für ein
Vorteil für den ein großer Teil der Raucher mit einem sehr
frühen Tod bezahlen muss? Der Nutzeffekt dürfte, wenn
überhaupt, nur bei einem sehr kleinen Teil der Raucher wirksam
werden, nämlich die, die das Glück haben, das Lebensalter in
dem der Morbus Parkinson typischerweise auftritt, zu erleben.
Außerdem beträgt das Lebenszeitrisiko für diese
Erkrankung bei ca. 0,01 bis 0,02 (1 bis 2 von 100 Menschen), alleine
jenes für das tödliche Bronchialkarzinom des Rauchers ist
aber im Mittel 20 Mal so hoch.
Täglich halten Politiker
uns vor, wir müssten eigenverantwortlicher werden. Wenn es um unsere
Entscheidung für das Rauchen geht, soll das aber auf einmal nicht mehr
gelten.
"Eigenverantwortung" bedeutet schließlich auch
vernünftiges und angemessenes Handeln und nicht den Suizid auf Raten. Immerhin
ist ein Teil des Wortes "Eigenverantwortung" die "Verantwortung". Wer aber seine
Gesundheit vorsätzlich beschädigt, kann wohl kaum als "eigenverantwortlich"
bezeichnet werden.
Der Schelm will Ihnen nichts
vormachen: Es könnte wirklich sein, dass das Rauchen Sie eines Tages krank
macht, also gehen Sie damit natürlich ein Risiko ein.
Im Gegenteil: Der
Schelm will seinen Lesern eine Menge vormachen. Jetzt eine kleine Einschränkung
zu bringen, unterstreicht die bisher verfolgte Verharmlosungsstrategie nur noch.
Werden wir konkreter: Der Raucher geht ein 50%iges Risiko ein, vor Erreichen
einer normalen Lebenserwartung zu sterben. An durch Rauchen verursachten
Krankheiten wie Krebs, Lungenemphysem, Herzinfarkt, Schlaganfall
usw.
Aber ob das geschieht oder nicht, ja: ob Sie
vielleicht sogar krank werden, weil Sie mit dem Rauchen aufhören, kann niemand
Ihnen sicher voraussagen.
Jetzt wird es wirklich
haarsträubend. Der Autor hat tatsächlich eine Studie aufgetrieben in deren
Rahmen 3 indische Ärzte festgestellt haben wollen, dass von ca. 300
Lungenkrebspatienten 58% das Rauchen bereits aufgegeben hatten als sie die
Diagnose "Bronchialkarzinom" erhielten. Alle Patienten waren übrigens mindestens
25 Jahre lang Raucher. Und mit diesem dürren Material soll doch tatsächlich
bewiesen werden, dass Rauchverzicht Lungenkrebs erzeugen kann. Hanebüchener geht
es fast kaum.
Zuerst ist ein untersuchtes Kollektiv von nur 300
Patienten viel zu klein um eine valide Aussage der behaupteten These zu machen.
Zweitens handelt es sich um eine retrospektive Studie mit all den bekannten
Schwächen. Drittens ist über die weiteren Lebensumstände der Patienten nichts
bekannt. Und viertens haben alle Patienten nach 25 Jahren Tabakkonsum ein
deutlich erhöhtes Risiko an einem Lungenkarzinom zu erkranken. Hätte man die
Studie richtig ausgeführt, hätte man zudem eine Kontrollgruppe von Ex-Rauchern
für eine längeren Zeitraum prospektiv beobachten müssen.
Weiterrauchen - oder doch lieber aufhören? Diese Entscheidung
würden manche Leute Ihnen am liebsten aus der Hand nehmen. Angeblich zu Ihrem
Besten, aber falls es sich als falsch erweist, sind Sie es, der den Schaden hat
- ein guter Grund, um Ihre Entscheidungsfreiheit auch gegen gutgemeinte Angriffe
zu verteidigen.
Nun, ob man das Rauchen aufgibt ist eine
Entscheidung der Vernunft. Vernünftig ist dieser vorliegende Text jedenfalls
nicht. Aber er zeigt sehr schön, wie Hardcoreraucher versuchen, mit direkten und
versteckten Lügen, mit Halbwahrheiten und Stammtischgeschwätz, mit Esoterik und
dummem Gerede davon abzulenken, was Rauchen wirklich ist. Eine tödliche
Sucht.