Von Peter Rachow (03/2011)Nachfolgend finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung wie ein Zahnriemen für den VW Passat TDI 1.9 mit AFN-Motor gewechselt wird. Die Arbeit gliedert sich grob in folgende Abschnitte:
Spezialwerkzeug:
1. Demontage der Kunststoffstoßstange Der gesamte sichtbare Vorbau des Passat B5 besteht aus einem Kunststoffteil mit Nummernschildhalter und Kühlergrill. Dieser gesamte Vorbau wird zuerst demontiert: ![]() Folgende Schritte sind nun durchzuführen: Zuerst wird die untere Motorraumabdeckung abgebaut.
Nun die Blinker ausbauen. Sie sind mit Federn festgehalten an denen man ziehen muss. Den Ring greifen, ziehen und den Blinker nach vorne herausnehmen. Dann die Birne aus dem Gehäuse drehen. Den Zughebel der Motorraumklappe (der mit dem roten Pfeil) vom Schloss trennen. Dazu den Metallclip entfernen (zur Not zerstören, es gibt eine einfache Ersatzlösung mit einem kleinen Kabelbinder!), die Plastikführung auseinanderbiegen (Schlitzschraubenzieher) und die Teile trennen. Das Schloss selbst nicht abbauen. (gesamter Zeitaufwand ca. 15 min. je nach Rostzustand der Schrauben des Unterschutzes) 2. Abbau des Kunstsstoffstoßfängers 2 Schrauben SW 10 in der Blinkeraufnahme lösen. Sie verbinden ein Metallteil der Karosserie mit dem Schlossträger ("A" auf dem nächsten Bild) ![]() Links und recht in den Radhäusern sind vorne 4 Schrauben (T25), 3 sind sichtbar, eine befindet sich unter dem Kunststoffschutz. Diese auch ausbauen. Der Innenschutz vom Radhaus kann mit einem Stück Holz (Dachlatte) auf Distanz gehalten werden, so dass man leichter arbeiten kann. ![]() Weitere Schrauben, die zu lösen sind:
Die Kunststoff-Stoßstange kann jetzt nach vorne herausgezogen werden. Ggf. etwas wackeln. Vorsichtig transportieren, sicher ablegen! Die darunter befindliche Metallstoßstange wird mit 2 x SW 13 gehalten. Diese Schrauben entfernen und die Metallstoßstange nach vorne ziehen. 3. Schlossträger in Serviceposition bringen Die großen Schrauben (TX45) an den beiden Stoßstangenhaltern lösen aber noch nicht ganz ausschrauben. Die Mutter SW 10 entfernen. Nun eine der drei großen Schrauben vollständig herausdrehen. Dann eine Schlossschraube M8x200 einschrauben. Auf ihr gleitet der Schlossträger später nach vorne. Dann restliche Schrauben entfernen und die Stoßstangenhalter entnehmen. Im Bereich der Blinker finden sich je 2 weitere Schrauben mit Gewinde M6. Diese entfernen. Dann die Kunststoffführung vom Kotflügel ausclipsen. Oben am Schlossträger sitzt li. und re. direkt am Kotflügel je eine Schraube T30. Diese ebenfalls herausdrehen. Der Schlossträger kann nun ca. bis max. 10 cm nach vorne gezogen werden. Am besten legt man ein Stück Holz (siehe Bild Buchstabe "C") zwischen den Träger und die Aufnahme an der Karosserie, damit das Teil nicht immer zurück kommt. Das nervt sonst beim Arbeiten! ![]() Nun geht es weiter mit dem Abbau des Keilrippenriemens für den Klimakompressor. Im Bereich D sind 2 Schrauben SW6 Inbus. Diese lösen, die Spannvorrichtung fällt nach unten. Den Riemen entnehmen und mit Edding die Laufrichtung vermerken. Der Motor dreht im Uhrzeigersinn. Das Lüfterrad abbauen. 4 Schrauben SW5 Inbus sind zu lösen (E). Nächster Schritt: Der Keilrippenriemen für Lichtmaschine, Kühlmittelpumpe etc. Die Spannrolle (F) mit einem Ringschlüssen SW15 in Richtung Luftfilter klappen und den Riemen entnehmen. Laufrichtung vermerken! Obere Zahnriemenabdeckung abbauen. Clip (G) und Kunststoffschrabe mit Dübel (H) entfernen. Weiter nächstes Bild: ![]() Mittlere Zahnriemenabdeckung (I) abbauen. 2 x SW6 Inbus lösen. Nebenaggregate zur Seite legen. Kurbelwellenrad (J) abbauen. 4 Schrauben SW6 Inbus sind zu lösen. Wenn die Schrauben entfernt wurden, eine Dachlatte von ca. 50cm Länge von oben auf den Rand des Rades setzen und einige beherzte Hammerschläge darauf geben. Das Rad löst sich dann leicht von der Welle. Am besten nur mit Handschuhen anfassen, die Ränder sind scharfkantig! Der Zahnriemen ist nun so weit wie nötig freigelegt und man muss nun noch den Ventildeckel abbauen. Schläuche lösen, Schrauben entnehmen, Deckel abheben und sicher ablegen. Vorsicht, das Teil sifft! 4. Der eigentliche Austausch des Zahnriemens (Den Austausch beschreibe ich verbal, Fotos geben hier nicht viel her. Daher sehr sorgfältig lesen! Und das am besten mehrmals!) Man benötigt zuerst ein Arretierwerkzeug speziell für diesen Motor. Es besteht aus 2 Teilen: einem Absteckdorn (Durchmesser 15mm) für die Einspritzpumpe und einem Lineal für die Nockenwelle. Beide drehenden Teile müssen genau auf Position gehalten werden. Zusätzlich ist ein Spannwerkzeug enthalten mit dem man die Spannrolle unter Zug setzen kann. Den Satz gibt es komplett bei ebay für ungefähr 30 Euro. Hinweis: Die untere Zahnriemenabdeckung kann am Motor verbleiben, sie wird zum Austausch des Riemens nur etwas verbogen. Losschrauben der unteren Zahnriemenabdeckung: Es handelt sich um 2 Schrauben SW 10 Sechskant. Eine befindet sich auf ca. 11:00 Uhr oberhalb des Kurbelwellenrades, die andere sitzt versteckt unter der Wasserpumpe. Mit einer kleinen Ratsche und einer Verlänergung kommt man am besten an die Schrauben ran. Arretieren von Nockenwelle und Verteilereinspritzpumpe (VEP) Zuerst muss der Motor auf den Zünd-OT des 1. Zylinders gestellt werden. Dazu dreht man mit einem 19er Schlüssel die Kurbelwelle im Uhrzeigersinn durch. Einspritzpumpe Am Riemenrad der Einspritzpumpe befinden sich mehrere große Löcher und ein kleines Loch. Das kleine Loch ist für den Absteckdorn. Die Kurbelwelle wird so weit gedreht, dass das kleine Loch auf ca. "3 Uhr" steht. Dahinter befindet sich dann ein weiteres Loch mit identischem Durchmesser. Wenn beide genau(!) fluchten, kann man den Dorn einstecken. Hier geht es um 1/10 mm. Man muss also ggf. mit dem Schraubeschlüssel den Motor mehrmals hin- und herbewegen bis es passt. Nockenwelle Danach setzt man das Lineal hinten an die Nockenwelle. Dort befindet sich ein Schlitz, so dass das Lineal die Nockenwelle blockiert. Ggf. an der Kurbelwelle ein ganz klein wenig drehen bis das Lineal einrastet. Jetzt ist der Nockentrieb ebenfalls arretiert. Was man NIE tun darf: Den Motor an der Nockenwelle oder der Einspritzpumpe zu drehen versuchen. Der Zahnriemen wird dabei überlastet und kann reißen. Dann ist das Einstellen des neuen ZR ein Glücks- oder Geduldsspiel!!! Weiterhin muss die Kurbelwelle blockiert werden. Beim Schaltwagen einfach den 1. Gang einlegen. Beim Automatik? Keine Ahnung! ![]() Jetzt die Spannrolle links unter dem Nockenwellenrad lösen (SW 13). Ebenso das Nockenwellenrad (SW19), dieses aber nur 1/2 Umdrehung. Im Blech hinter dem Rad am äußeren Rand auf ca. 1 Uhr ist ein Loch. Dort einen Dorn einstecken und einige Hammerschläge von hinten auf das Rad geben um es zu lösen. Die Nockenwelle bleibt arretiert, das Rad wird aber gelöst! Den alten Zahnriemen abnehmen. Die obere kleine Umlenkrolle ausbauen (SW 10) Einbau des neuen Riemens Am einfachsten geht das Auflegen des neuen Riemens, wenn man nun das Nockenwellenrad komplett abbaut. Den Zahnriemen dann zuerst unten auf das Kurbelwellenrad auflegen. Danach auf das Rad der Einspritzpumpe. Diese Wegstrecke zwischen Kurbelwelle und VEP ist kritisch, wenn man hier um einen Zahn verrutscht, zündet der Motor nicht, da der Einspritzzeitpunkt jenseits von Gut und Böse liegt. Also darauf achten, dass der Riemen zwischen Kurbelwellenrad und Einspritzpumpe absolut stramm liegt. Wenn die Möhre nachher nicht anspringt liegt hier der Fehler! Dann den Riemen auf der anderen Seite über die Spannrolle legen. Danach den Riemen auf das Nockenwellenrad auflegen, das man dazu direkt vor die Nockenwelle hält. Liegt der Riemen auf dem Nockenwellenzahnrad auf, wird das Nockenwellenzahnrad auf die Welle gesetzt und die Schraube SW19 erstmal mit der Hand eingedreht. Jetzt wird die Spannrolle festgeschraubt. Den Metallhaken nach links auf ca. 11:00 Uhr drehen bis er in einer Aussparung einrastet. Kurz vor dem endgültigen Festmachen wird der Riemen gespannt. Dazu den Spannschlüssel ansetzen. Auf dem Exzenter der Rolle neben der Befestigungschraube befinden sich eine Erhebung und auf dem Rand eine kerbenartige Vertiefung. Diese müssen einander gegenüber stehen, dann ist der Riemen korrekt gespannt. Dann wird noch die obere kleine Umlenkrolle oberhalb eingesetzt. Anschließend werden die Schrauben korrekt angezogen. Dazu benötigt man einen Drehmomentschlüssel. Die Anzugmomente:
Jetzt die Arretierungen am Nockentrieb und der Einspritzpmpe entfernen und den Motor 2 komplette Kurbelwellenumdrehungen am Schraubenschlüssel auf der Kurbelwelle durchdrehen. Prüfen ob der Riemen richtig liegt und ob der Motor sich problemlos durchdrehen lässt. In der Regel tut er das. Dann die Batterie anschließen und den Motor kurz starten. Er muss sofort anspringen. Tut er das nicht, liegt der Fehler immer an der falschen Stellung der Kurbelwelle. Man ist um 1 Zahn verrutscht. Da bleibt nur eines: Den Motor wieder auf Zünd-OT von Zyl. 1 bringen, Einspritzpumpe und Nockenwelle arretieren, Spannrolle lösen, und dann den Riemen nochmal ausbauen und die Kurbelwelle um einen Zahn vor oder zurück stellen. Tipp: Ich habe mir vor dem Ausbau des alten Riemens die Stellung des Schraubenschlüssels genau gemerkt, mit dem ich die Kurbelwelle drehe. Der Schraubenschlüssel wurde dabei so angesetzt, dass er bei Stellung "OT Zyl. 1" senkrecht nach oben stand. Deshalb sollte man hier keine Ratsche verwenden, auch wenn es zum Drehen einfacher ist. 5. Zusammenbau So, wenn Motor dann läuft, hat man das Vergnügen, die ganze Geschichte wieder zusammen bauen zu dürfen . Reihefolge:
Viel Erfolg! |