
Diesen Ausbreitungsweg, bei dem die Wellen quasi parallel zum Erdboden laufen, nennt man Bodenwellenausbreitung, oder kurz 'Bodenwelle'.
Je nach verwendeter Frequenz, ist die Reichweite der Bodenwelle mehr oder weniger stark begrenzt. Bei Wellenlängen um 80m (3500 - 3800 kHz) liegt sie (tageszeitenabhängig) im Bereich von 100 - 150 km. Bei 10 m Wellenlänge (f im Bereich von 28000 kHz bis 29700 kHz) nur noch bei ca. 30 km. Die Bodenwelle hat für den Kurzwellenamateurfunk folglich keine Bedeutung.
Ab einer Höhe von 20 km spricht man von der Stratosphäre. Sie trägt den Ozongürtel, der sich in einer Höhe von 20 - 40 km befindet. Darüber liegt die Ionosphäre (20 - 250 km Höhe), deren Verhalten hier näher besprochen werden soll, denn in ihr werden Radiowellen bestimmter Frequenzen reflektiert und zur Erde zurückgeworfen.
Doch zuerst der Ausbreitungsweg in der Ionosphäre (stark vereinfacht)
Die Ionosphäre besteht wiederum aus verschiedenen übereinanderlegenden Schichten, die aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens den Radiowellen gegenüber, unterschieden werden können.
Sie alle haben gemeinsam, daß sie (abhängig von verschiedenen Faktoren) mehr oder weniger elektrisch leitfähig und aus sehr stark verdünnten Gasen (Sauerstoff, Stickstoff, Helium) zusammengesetzt sind.
Diese Schichten werden nach Ihrem Entdecker, dem britischen Forscher Heaviside auch Heaviside-Schicht(en) genannt.
Dieser "Beschuß" mit hochenergetischen Teilchen und Wellen führt dazu, daß die Gasmoleküle Teile ihrer Elektronenhülle verlieren. Sie werden zu Ionen, also zu elektrisch leitenden Teilchen, an denen Radiowellen reflektiert werden können, wie an einer Metallwand (der Vergleich ist etwas holprig, erklärt aber das Verhalten der ionisierten Gase recht gut).
Daraus folgern 2 Sachverhalte:
a) Nachts kann es keine (zusätzliche) Ionisation geben, weil keine Sonnenstrahlung auf die Ionosphäre trifft.
b) Die Stärke der Ionisation ist von der Stärke und Qualität der Sonneneinstrahlung abhängig.
Die D-Schicht bildet sich nach Sonnenuntergang sofort zurück, so daß dann die Ausbreitungsbedingungen auf den niederfrequenten Bändern sehr schnell besser werden.
Diese Rekombination geht jedoch (besonders bei den F-Schichten) sehr viel langsamer vor sich als bei der D-Schicht. Bei sehr starker Ionisation (z.B. im Sommer bei langer und intensiver Sonnenbestrahlung) kann die Ionisation der F-Schichten die ganze Nacht anhalten.
Auch hier gilt, daß die beiden Schichten Radiowellen mit hoher Frequenz eher durchlassen, also nicht reflektieren (vgl. D-Schicht).
Die Grenzfrequenz, (also die Frequenz, die gerade noch nicht in den Weltraum durchgelassen wird) der F-Schichten ist neben der Ionisation auch abhängig von 2 Größen:
| a) Der Frequenz der Welle (je höher die Frequenz, umso eher wird sie nicht mehr reflektiert) |
| b) Dem Winkel, unter dem die Welle auf die Schicht auftrifft. (Je steiler sie auftrifft, umso eher wird sie nicht mehr reflektiert |
b) Die Reichweite bei der höchsten noch reflektierten Frequenz am größten, weil diese Wellen energiereicher sind, als niederfrequentere Frequenzen. Sie werden also auf ihrem Ausbreitungsweg nicht so stark absorbiert (Durch die Troposphäre z.B.)
c). Die Frequenz, die verwendet wird, darf jedoch nur gerade so hoch sein, damit die Reflexionsfähigkeit der F-Schichten ausreicht, um die Welle zu reflektieren. Diese Frequenz, die gerade noch reflektiert wird, bezeichnet man als "maximale verwendbare Frequenz" (engl. maximum usable frquency (MUF)) für einen bestimmten Ausbreitungsweg.
d) Die Frequenz muß so hoch sein, daß sie in der D-Schicht gerade nicht verschluckt wird. Diese Frequenz, die gerade noch nicht absorbiert wird, bezeichnet man als "niedrigste verwendbare Frequenz" (engl. lowest usable frequency (LUF)) für einen bestimmten Ausbreitungsweg.
e) Man kann also immer nur einen bestimmten Ausschnitt des Frequenzspektrums zwischen 160m und 10m verwenden, eben den Bereich zwischen LUF und MUF.
Dieser Bereich
ist abhängig von:
- Tageszeit
- Jahreszeit
- Sonnenaktivität
(Sonnenfleckenanzahl)
Die tote Zone, ist auf höheren Frequenzen größer als auf geringeren (bei letzteren kann der Auftreffwinkel in der F-Schicht größer sein), weil die Entfernung, nach der die Raumwelle das erste Mal wieder auftrifft, größer ist.
Entfernungsbeispiele: Die Tote Zone auf dem 10m-Band ist bei Ausbreitung über die F-Schicht immer größer als 2000 km.