| von Peter Rachow Walter M.* ist Raucher. Starker Raucher. Jeden Tag quarzt er eine bis zwei Schachteln einer Billigmarke vom Discounter in seine Lungen. Markenzigaretten sind ihm zu teuer, denn Walter M. hat neben seinem Dauerhusten, seiner grauen und faltigen Haut und seiner abstoßend nach kaltem Rauch riechenden Kleidung noch viel größere Probleme. Er hat Geldprobleme, denn er lebt von Hartz-IV und da ist nicht viel drin an Luxus. Aber auch die Zigaretten, die er kauft oder sich manchmal aus dem Ausland (meistens aus Tschechien oder Ungarn, denn dort ist "der Stoff" noch einigermaßen billig) mitbringen lässt, sind teuer genug. Er hat Frust. Wahnsinnigen Frust. Und das nicht nur wegen der hohen Zigarettenpreise. In Bayern, wo M. wohnt, gibt es seit bald zwei Jahren das strengste Nichtrauchergesetz Deutschlands. Früher ging er jeden Abend in die Kneipe um dort mit seinen Kumpels zu rauchen und sich bei Dutzenden Bieren den Frust von der Seele zu reden. Das geht heute nicht mehr, zumindest das Rauchen in der Kneipe ist nämlich heute verboten. Aus, Ende, vorbei mit der geliebten "Gemütlichkeit". Und daher müssen er und seine Kumpane nun zum Rauchen vor die Tür. Walter M. hasst die Leute, die ihm das eingebrockt haben. Er könnte sie töten. Wenn er eine Waffe hätte, ja, dann würde er zurückschlagen. Vor einigen Jahren fand M. im Internet dann zufällig ein paar Seiten, die dem entrechteten Raucher Zuflucht und Hilfe boten. Zumindest taten die Betreiber dieser Seiten so. Manche wollten auch nur ordentlich Ge ld abzocken. Zum Beispiel dafür, dass man in einem bayernweiten "Raucherclub" Mitglied werden konnte um weiter drinnen qualmen zu dürfen. Aber das Geld hatte Walter nicht. Andere Webseiten waren kostenfrei, das gefiel Walter besser. Die nannten sich "Netzwerk Rauchen", "Raucherdiskriminierung", "Rauchernews" oder "Freiheit und Toleranz" und machten sich stark für die "Rechte der Raucher". Besonders die letzte war lustig, denn die wurde von einem kleinen Clown betrieben. Endlich! Es war eine Offenbarung für Walter. Er musste erstmal eine halbe Packung Zigaretten wegrauchen, so aus dem Häuschen war er. Auf diesen Internetseiten fand er genau das, was er so lange gesucht hatte: Menschen, genauer gesagt "rauchende Menschen", denen es genau so ging wie ihm. Sie alle wollten nicht gezwungen werden, zum "Genuss" ihrer geliebten Glimmstängel vor die Kneiptentür zu gehen. Sie wollten drinnen rauchen. Wie früher. Besonders im Winter war es unerträglich vor der Tür, denn es regnete und war kalt. Und so schrieb Walter begeistert mit auf den den Diskussionseiten der Raucherseiten und teilte aus, was Zeug hielt gegen "Antiraucher", "Verbotswahn", "Systemfaschismus", "Antitabaklobby", "Tabakrauchhypochonder" und viele andere Dinge, die er erst kurz vorher gelernt hatte. Stundenlang ging das so, aber Walter M. hatte Zeit und eine Flatrate. Ein paar Mal hat es Walter dann zu doll getrieben und wurde angezeigt und verurteilt. Er ließ jedoch nicht locker und keilte weiter. Das verminderte den Druck in seinem Kopf zumindest ein klein wenig. Aber auch durch die neue Möglichkeit, im Internet mal richtig Dampf abzulassen änderte sich nichts, was Walter seine geliebte Kneipenzigarette zurückgebracht hätte. Im Gegenteil. Anstatt dass die Rauchverbote wieder gelockert wurden, so wie er es sich sehnlichst gewünscht hatte, gab es immer mehr Bundesländer, in denen ähnlich wie in Bayern rigoros gegen das Rauchen vorgegangen wurde. Walter M.'s Raucherwelt wurde kleiner, sein Hass auf die "Antiraucher" dafür immer größer. Und plötzlich fand er durch Zufall einige jener, die ihm das "eingebrockt" hatten, denn er stieß auf die Webseite www.raucherwahnsinn.de. Endlich waren sie gefunden, diese Typen, die ihm so übel mitgespielt hatten. Sein Gesicht, sonst grau und eingefallen von den vielen Zigaretten, wurde rot und seine Augen blitzten. Jetzt brauchte er nur noch eine Waffe. Auf raucherwahnsinn.de waren genau jene Menschen zu finden, die er am meisten hasste. Die Verursacher der Rauchverbote. "Antirauchernazis", so nannte er sie, Dabei waren das alles andere als Nazis, aber das interessierte ihn nicht. Im Grunde wusste er auch gar nicht genau was ein "Nazi" wirklich war, aber für Walter waren alle, die gegen das Rauchen sind, "Nazis". Die Nichtraucher von raucherwahnsinn.de waren Menschen, die sich einsetzen für Nichtraucherschutz und die das Rauchen aus allen öffentlichen Bereichen verbannen wollen und die dies auch zum großen Teil geschafft haben. Sie taten das alles, weil sie einfach genug davon hatten, sich überall, in jedem Restaurant, jeder Kneipe und jedem Festzelt rücksichtslos vollrauchen lassen zu müssen. Es waren Menschen, die einfach keine Lust mehr hatten, das giftige Abgas der Raucher einatmen zu müssen, die nicht husten, nicht keuchen und nicht leiden wollten, durch den "Rauchspaß" der Menschen wie Walter M., die ihre Drogensucht bis dahin rücksichtslos ausleben konnten. Walter M. nannte seine Gegner nun noch "Antis" und sein Hass war grenzenlos. Jetzt aber war die Stunde gekommen. Seine Stunde. Er wollte zurückschlagen. Genau jetzt! Den Betreiber der raucherwahnsinn-Seite hatte er schnell ausfindig gemacht. Jetzt konnte es losgehen. Endlich! Und so beschloss er, es diesem Typen mal "richtig" zurückzugeben. So wie ein kleiner, dicker und ausgesprochen dummer Mann wie Walter M. es eben konnte. Aber wie sollte er es anstellen, seinen verhassten Gegner so richtig in die Pfanne zu hauen? Er überlegte und überlegte. Lange fiel ihm nichts ein. Und dann begann Walter den Fehler zu machen, den viele Menschen machen, die vom Verstand her eher nicht zu den "Top-Leuten" gehören: Er begann von sich auf andere zu schließen. Walter als Starkraucher nannte sich selbst "Genießer", hatte aber ein Drogenproblem. Also muss der Anti auch eines haben. So einfach ist das, zumindest wenn der eigene IQ deutlich unter 100 liegt. Nächstes Problem: Welche Drogen? OK, Nikotin schied aus, bei jemanden, der gegen das Rauchen ist. Gut, man könnte diesen "widerlichen Antiraucher" dann vielleicht des Heroinspritzens oder Kokainschnupfens bezichtigen. Aber das würde niemand glauben. So dachte Walter M. weiter nach und schaute aus Zufall an sich selbst herunter. Sein dicker Bauch, vom jahrelangen übermäßigen Bierkonsum ordentlich angeschwollen, gab ihm die zündende Idee: Wir machen diesen "Antirauchertaliban" zum Alkoholiker! DAS war es. "Betrunken und Alkoholiker, genau so wird's gemacht!", dachte sich Walter M. Schnell kopierte ein paar gefäschte Fotos und verfasste einen vor Rechtschreibfehlern nur so strotzenden Hasstext und stellte den ganzen Brei anonym ins Internet. Dabei rauchte er mindestens zwei Schachteln Zigaretten locker weg. Und damit der Text etwas länger wurde, legte Walter seinem verhassten Gegner noch schnell ein paar Sätze in den Mund, die der natürlich nie geschrieben hatte. Mit ungeheurer Gewalt bahnte sich sein Hass so den Weg ins Freie. Es musste sich ähnlich angefühlt haben, wie ein Mensch, der unter einem schweren Magen-Darm-Infekt leidet, endlich die rettende Toilette findet, sich mit letzter Kraft auf ihr niederlässt und explosionsartig alles von sich gibt, was einfach raus muss. Natürlich hinten. Und einen ähnlichen Geruch verbreiten Walter M.s verbale Hinterlassenschaften dann auch. Diese wenig appetitlichen Dinge, die Walter M. so plötzlich entfuhren, sind heute noch im Internet zu bewundern. Hier ein paar Auszüge von seiner ganz sicher literatur-nobelpreisverdächtiger Veröffentlichung: ![]() Beachtenswert ist auch, wie "kreativ" unser Walter mit der deutschen Sprache umzugehen vermag: Besonders die Formulierung "lässt verbreiten" erzeugt schon eine gewisse Heiterkeit. Wenn Nutzer in einem Internetforum ihre Meinung äußern, kann man wohl kaum davon ausgehen, dass der Forenbetreiber diese Äußerungen in Auftrag gegeben hat. Aber man kann von Leuten wie Walter M., die ja kaum einen korrekten Satz abfassen können, nicht erwarten, dass sie so etwas wie sprachliche Genauigkeit an den Tag legen. Dazu fehlt es ihm einfach an Intelligenz. Wer sich den gesammelten Hasstext von Walter M. unbedingt antun will: Damit man nicht googlen muss, hier die Adresse von Walters nicht unbedingt allererstem Versuch, eine Webseite hochzuziehen: http://antiwahnsinn.wordpress(dot)com
Lieber Walter: Ich hege tiefes Mitgefühl mit den "armen entrechteten und diskriminierten" Rauchern wie Dir und verspreche hoch und heilig, mit meinen Bemühungen für absolute Rauchfreiheit (und mit dem Begriff, meine ich sicher nicht, die Freiheit zu rauchen!) nicht nachlassen zu wollen, bis zumindest in Deutschland ein einheitlicher, ausnahmsloser und konsequenter Nichtraucherschutz eingerichtet wurde. Genau wie in Bayern. Hoast mi? Und damit spreche ich auch für meine Freunde von den verschiedenen Nichtraucherinitiativen und rauchfreien Webseiten in Deutschland. Wir schaffen das. Der Daumen zeigt nach oben für den Nichtraucherschutz.. Ach ja, und auch raucherwahnsinn.de und sein Forum wirst Du mit diesen lächerlichen Aktionen kaum vom Netz bekommen. Im Gegenteil: Wir werden weiter Eure unsäglichen Äußerungen auf "rauchernews.de", "netzwerk-rauchen.de" und "freiheit-toleranz.de" und den bekannten verqualmten "facebook"-Kanälen bissig kommentieren. Wir werden Euren ganzen dort verbreiteten Unsinn gnadenlos zerpflücken, Eure Unwissenschaftlichkeit rigoros aufdecken, Eure Lügen enttarnen, Eure ewigen dummen Nazivergleiche anprangern und Euch gnadenlos die Masken herunterreißen, wo Ihr Euch hinter Begriffen wie "Freiheit" und "Toleranz" versteckt, nur um weiter die Werbetrommel für tödliche Tabakdrogen zu rühren. Und es wird uns allen ein sehr großes Vergnügen sein, Euren Raucherfrust nicht unbedingt kleiner werden zu lassen. |