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Wie Sie Cybermobbern keine Chance geben (von Peter Rachow)


Jeder, der sich heute im Internet in irgendeiner Form betätigt, läuft automatisch Gefahr, dass sich Zeitgenossen an den Meinungen, Ansichten und Standpunkten, die man selbst veröffentlicht, stören und meinen, dagegen etwas sagen zu müssen. Dieses Vorbringen von Gegenmeinungen wäre im Prinzip vollkommen in Ordnung, denn schließlich leben wir einem freien Land und die freie Meinungsäßerung ist eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft. Aber leider fehlt vielen Netznutzern heute klar erkennbar die Fähigkeit bzw. oft auch der Intellekt, sich mit anweichenden Meinungen in sachlicher Form differenziert auseinanderzusetzen. Auf Deutsch: Die Anzahl der krassesten Dummköpfe, die das Internet bevölkern nimmt jeden Tag exponenziell zu.

Statt sich nun eines sachlichen Diskurses zu befleißigen, schlagen diese sittlich und geistig häufig extrem zurückgebliebenen Menschen in ihrer dumpfen Dummheit mit den "schlagkräftigen" Methoden der Unterschicht zurück. Und dann kann es für das "Opfer" unangenehm werden. Dieses Draufschlagen auf den Gegner mag übrigens vor 10 oder 15 Jahren noch kein besonderes Problem gewesen sein, als der Zugang zum Internet primär gebildeteren Schichten offen stand. Heute, wo das Internet längst zum Jedermannsnetz geworden ist, Cybermobbing dagegen ein Thema, an dem der Netznutzer nicht mehr vorbeikommt. Denn jeder kann jederzeit das Opfer eines Cybermobbers werden und dann gilt es vorbereitet zu sein und die entsprechenden Gegenmittel zur Hand zu haben.

1. Was ist "Cybermobbing"?


In der relativen Anonymität des Internet kann heute jeder alles schreiben. Das ist grundsätzlich erst einmal gut, denn eine pluralistische Gesellschaft lebt von den unterschiedlichen Standpunkten ihrer Mitglieder und deren unterschiedlichen Meinungen. Was tun wir aber, wenn Lügen, Beleidigungen, Herabwürdigungen und Schmähungen gegen eine einzelne Person im Internet verbreitet werden? Dieses Störerverhalten ist nämlich genau das, was man unter dem neuen Begriff "Cybermobbing" bzw. dem Synonym "Cyberbullying" versteht.

Der typische Cybermobber ist meiner Erfahrung nach sehr häufig ein abgrundtief dummer und zutiefst ungebildeter Mensch, der voller Aggressionen gegen sein Opfer steckt, weil er in aller Regel dessen Argumenten nichts entgegenzusetzen hat. Oft kommt noch Neid hinzu, wenn der Mobber weiß, dass sein Opfer gesellschaftlich und finanziell deutlich besser gestellt ist, als er selber. Denn wäre der Mobber nicht ein Mitglied einer verstandesmäßig unterpriviligierten Bevölkerungsgruppe (m. a. W.: wäre er also kein solch unsäglicher Dummkopf), müsste er nicht mobben sondern könnte im Meinungsstreit mit offenen Visier und guten Argumenten den Kampf um den richtigen Standpunkt ausfechten. Da ihm dazu aber in aller Regel das geistige Rüstzeug fehlt, muss er aus der Anonymität des Netzes heraus seine Gegner diffamieren, beleidigen und schmähen.

2. Welche Strategien gibt es?


Meiner Erfahrung nach sind im Wesentlichen zwei Herangehensweisen an das Problem erfolgversprechend. Eine juristische und eine technische.

Zuerst soll kurz auf die rechtlichen Möglichkeiten gegen einen Cybermobber vozugehen, gesprochen werden:

Wenn Ihnen also die Person, die Sie im Internet mobbt, namentlich bekannt ist und sie deren Identität zweifelsfrei (und damit meine ich wirklich zweifelsfrei) feststellen können und darüber hinaus Beweise für das rechtswidrige Verhalten des Täters haben (wie z. B. Bildschirmausdrucke von Forenbeiträgen und Webseiten, Zeugenaussagen etc.) können Sie die Sache dem Rechtsanwalt übergeben. Dabei ist es natürlich am besten, wenn der Täter seinen Wohnsitz (also eine sog. "ladungsfähige Anschrift" wie Juristen sagen) in Deutschland hat. Ihr Rechtsanwalt wird Sie dahingehend beraten, wie dann vorgegangen werden muss.

Sie haben in solch einer Sache sowohl zivil- als auch strafrechtliche Verfolgungsmöglichkeiten gegen den Täter. Allerdings muss man aus der Erfahrung heraus sagen, dass der zivilrechtliche Weg, seine Reche durchzusetzen, eher erfolgversprechend ist, da die Staatsanwaltschaft Strafverfahren wegen Verleumdung, Beleidigung und anderen Ehrenschutzdelikten in aller Regel wegen des Fehlens eines besonderen öffentlichen Interesses einstellt. Das kostet Sie zwar nichts, zumindest, wenn Sie es sind, der Anzeige erstattet ohne einen Rechtsbeistand zu beauftragen, bringt aber auch nichts. Alles, was passiert, ist, dass der Täter möglicherweise eine sog. "Gefährderansprache" erhält und ggf. von der Polizei befragt wird. Einen normalen Cybermobber schreckt das allerdings wenig ab.

Zivilrechtlich lässt sich dagegen wesentlich mehr erreichen. Zudem wird es für den Täter richtig teuer, denn so ein Verfahren schon vor dem Amtsgericht kann schon mal mehrere Tausend Euro kosten. Meiner Erfahrung nach, kommt der Täter dabei nie unter 1000 Euro "davon", auch ein "billiges" Verfahren mit einem Streitwert von "nur" wenigen hundert Euro kommt Ihren Gegner auf i. d. R 1200 Euro inkl. aller Gebühren für Anwalt und Gericht.

Exkurs: Ich darf mich rühmen, in den vergangenen Jahren mehrere Fälle gegen Cybermobber vor Gericht gewonnen zu haben, was der Staatskasse zusammen um die 10.000 Euro eingespielt haben dürfte. Als Staatsbediensteter freut mich das natürlich. Peter Rachow - Smile!

Nun noch ein Wort zu den Beweisen und ihrer Verwertbarkeit, denn daran entscheidet sich ob Sie vor Gericht Erfolg haben werden. Ja, es gab tatsächlich mal einen Dummkopf aus der Raucherszene, der mich vor einigen Jahren auf seiner eigenen Webseite beleidigt hat dabei und ein gefälschtes Foto von mir präsentierte. Das war eine Sache, die war in wenigen Wochen entschieden. Zu meinen Gunsten.

So leicht wird es ihnen aber heute keiner mehr machen. Sollte es aber doch noch solche "Intelligenzgranaten" geben, ein Hinweis: Unter www.denic.de finden Sie Webseitenbetreiber und -verantwortliche deutscher Webseiten unter dem Suchbegriff "whois" liefert Google noch mehr.

Bildschirmausdrucke der Mobbingseiten sind dabei ein absolutes Muss und am besten haben Sie Zeugen, die die Hassseite ausdrucken und vor Gericht präsentieren können. Am besten immer mit Datum und Uhrzeit festhalten! Ich hatte tatsächlich schon extreme Dummköpfe vor Gericht, die höchstgradig dreist gelogen hatten und steif und fest behaupteten, sie hätten die Hassseite gar nicht eingerichtet sondern es handele sich um eine ganze Gruppe von Personen, die unter dem Pseudonym "raucherdepp0815" posten würden und man selbst sei vollkommen unschuldig und wisse sowieso von nichts. Rechnen Sie mit allem, vor allem mit der Dummheit und Dreistigkeit Ihrer Gegner.

Die rechtlichen Möglichkeiten finden allerdings in dem Moment ihre Grenzen, wenn Sie den Täter nicht ermitteln können, weil er z. B. über Anonymisierungsdiente die Hassbeiträge gegen Sie veröffentlicht, er anonyme Blogs zum Pöbeln verwendet oder sich sonstwie unkenntlich macht. Dann haben Sie auf dem Rechtswege keine Chancen und Sie verlieren möglicherweise Geld.

Wenden wir uns daher nun vertieft den technischen Möglchkeiten zu, wie Sie gegen Sie gerichtete Hassseiten aus dem Netz (oder besser gesagt, aus den Ergebnislisten der Suchmaschinen) bekommen.

3. Google & Co. gegen Cybermobber instrumentalisieren

Was ist das grundsätzliche Problem beim Cybermobbing gegen Sie?

Also, mir persönlich ist es vollkommen egal, ob irgendein kranker Hanswurst im Internet gegen mich verbreitet, ich sei Alkoholiker, wäre betrunken, würde Frauen schlagen, oder sei homosexuell. So what? Solange beim sog. "Ego-googlen" auf Google & Co. dieser "Treffer" des Psychopathen erst auf Seite 15 oder 20 oder noch weiter hinten angezeigt wird, geht mir derlei ganz dezent am verlängerten Rücken vorbei. Problematisch wird es, wenn der Stänkerer es mit seinem Hassbeitrag auf Seite eins oder zwei in der Trefferliste geschafft hat. Dann ist "Alarmstufe rot" und höchste Eisenbahn, etwas zu unternehmen.

Natürlich gibt es professionelle Agenturen, die Ihnen gegen ein entsprechendes Entgelt dabei helfen, den Störer und seine Beiträge ganz weit hinten erscheinen zu lassen. Ich will diesen oft durchaus honorigen und kompetenten Leuten nicht das Wasser agraben, kann aber dazu raten, die Initiative selbst in die Hand zu nehmen. Denn das entsprechende Instrumentarium steht jedem zur Verfügung, wenn man ein paar Kenntnisse das Internet betreffend hat.

Was kann man als Gemobbter konkret tun, um bei Google & Co. eine halbwegs saubere Erscheinung abzugeben?

Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich Ihnen an dieser Stelle nicht alle Tricks verrate, die man anwenden kann, um in Suchmaschinen ein gutes "Ranking" (Fachausdruck für wie weit man vorne platziert ist) zu erhalten. Das Thema "Search Engine Optimization" (SEO) ist etwas, das im Web sehr hoch gehandelt wird. Damit wird eine Menge Geld und Umsatz generiert, Suchmaschinen sind wohl die mächtigsten Werkzeuge des WWW. Denn diese definieren, was man über Sie im Web lesen kann und was nicht.

Mir geht es übrigens nicht ums Geld, aber "der Feind" liest hier schließlich mit und ich will meine eigene Arbeit nicht unnötig gefährden. Denn ich konnte in den vergangenen Monaten einige gegen mich gerichtete Hassseiten auf die Ergebnisseite 40 oder noch weiter hinten in der Trefferliste von Google verschieben. Und das soll auch so bleiben. Sollten Sie allerdings ein ernstes Mobbingproblem haben und weitere Unterstützung benötigen, können Sie mich gerne anmailen. Wir besprechen dann alles weitere.

Aber was Sie zunächst selbst tun können, sind vor allem folgende Dinge:
Die eigene Homepage - Allgemeines zum Einstieg
Falls Sie noch keine haben, ist eine eigene Webseite ein absolutes Muss gegen Cybermobbing. Sie bringt Sie in Stellung, dort können Sie dem Mobber offensiv entgegentreten. Vermeiden Sie aber dabei unbedingt die direkte Verlinkung der Hassseite, denn Google und andere SEs (Suchmaschinen) machen die Relevanz einer Webseite auch von der Verlinkungshäufigkeit abhängig. Also können Sie z. B. so auf die Seite referenzieren ("*h*a*s*s*s*e*i*t*e (at) deppenpress (punkt) com") . Keine Suchmaschine wird darin einen gültigen Link erkennen und der Psychopath erhält für sein Machwerk nicht ausgrechnet durch Sie ein besseres "Scoring".

Ihre Webseite sollte natürlich eine de-, at- oder ch-Domain haben, also eine deutschsprachige Top-Level-Domain. Sie sollte weiterhin mit ihrem Namen etwas zu tun haben. Also nicht "http://www.mobbing-ist-scheisse.de" sondern "http://www.klaus-mustermann.de". Domainanbieter gibt es wie Sand am Meer, auch hier hilft das Netz. Sollte Ihre Wunschdomain nicht mehr frei sein, nennen Sie sich eben "http://www.klaus-mustermann-75.de" oder ähnlich. Hauptsache Ihr Name ist im Domainnamen enthalten.

Ihre Webseite müssen Sie dann mit Inhalten füllen. Auch wenn Sie kein begnadeter Schriftsteller sind, können Sie bestimmt gelegentlich einen Reisebericht schreiben, haben ein Lieblingsrezept für eine Pizza oder berichten von Tante Friedas letztem Geburtstag. Ob es Tante Frieda wirklich gibt oder nicht, ist unwichtig. Wichtig ist, dass Sie einen Text verfasst haben. Und wenn Ihnen gar nichts einfällt, dann generieren Sie eben einen Zufallstext, dafür gibt es im Internet sogar Webseiten, die das für Sie übernehmen.
Was ist wichtig beim Texten?
Ihr Name, nach dem jemand googlet, ist das zentrale "Feature" in Ihrer Präsenz. Dies heißt vor allem:

  • Dateinamen sollen "sprechend" sein und müssen zwingend ihren Namen enthalten. Also nennen Sie den Bericht über den Geburtstag z. B. "bericht-von-klaus-mustermann.htm" anstatt "tante-frieda.htm"
  • Ihr eigener Name sollte mehrmals in dem Text vorkommen. Und dies besonders in der Überschrft des Textes. Diese Überschrft kann z. B. lauten "Geburtstagsbericht (von Klaus Mustermann)". Sie sollten dazu unbedingt eine der Überschriftengröße der HTML-Anweisungen in der Größe 2 bis 4 verwenden. Da schaut Google meiner Erfahrung nach besonders.
Am Ende des Textes muss natürlich ein Autorenverweis erscheinen, der ebenfalls Ihren Namen enthält.
Bilder auf der eigenen Homepage
Bilder sind immer wichtig, sie sind das Salz der Internetsuppe. Besonders gilt dies, wenn auf der Hassseite auch Bilder stehen die z. B. gefälscht sind und die Sie verunglimpfen sollen.

Hier die wichtigsten Regeln für Bilder und Grafiken im Internet:
  • Der Name sollte ebenfalls sprechend sein, es gilt Ähnliches wie bei Dateinamen
  • Der "alt"-Tag sollte Ihren Namen enthalten. Ebenso ein "title"-Tag.
  • Das Bild sollte zwischen 400 und 1024 Pixel auf einer Seite haben. Google bevorzugt darüber hinaus Bilder im Format 4:3 im Querformat. Die passen besser in das Raster der Ergebnisseite bei der Google Bildersuche.
  • Unter jedes Bild gehört eine Bildunterschrift, was darin stehen muss, können Sie sich sicher denken.
Wollen Sie gegen Hassbilder vorgehen, müssen Sie aber geduldig sein. Es dauert meiner Erfahrung nach zwischen 3 und 6 Monaten, bis Ihre Bilder langsam anfangen, die Hassbilder von den vorderen Plätzen zu verdängen.
Verlinken der eigenen Homepage
Wenn Sie Ihre Homepage fertig und auf den Server Ihres Webspaceanbieters hochgeladen haben, beginnt der nächste Schritt. Sie müssen sie verlinken lassen, damit sie im Web bekannt wird. Also tragen Sie Ihr Werk (bzw. dessen URL, also den "Uniform Ressource Locator") zuerst mal in die vielen im Web vorhandenen Linklisten und Verzeichnisse ein. So erfährt "Tante Google" erstmal, dass es Sie gibt. Ein besonders hohes Ranking bekommen Sie da zwar noch nicht, aber Ihre Seite steht zumindest im Index der Suchmaschinen.

Wenn Sie sich dann mit anderen Mobbingopfern zusammen tun und jeder seine eigene Homepage erstellt, bauen Sie ein Linknetz auf Gegenseitigkeit auf. Sie dürfen auch mich in solch einem Falle gerne ansprechen, meine verschiedenen Homepages sind sehr gut verlinkt und erreichen ein hohes Google-Ranking.

Weitere Möglichkeiten sind:
  • Sie beteiligen sich an Diskussionen in Foren und Blogs und nennen in der Signatur Ihrer Beiträge Ihren URL.
  • Sie eröffnen zusätzlich einen Blog und schreiben auch dort.
  • Filmkritiken, wenn Sie gerne ins Kino gehen oder Berichte über andere Freizeitaktivitäten sind auch nicht zu verachten.
Zum Aufwand
Wenn Sie einmal die Grundstruktur ihrer Präsenz im Web erstellt haben, müssen Sie täglich ungefähr 15 Minuten Arbeit investieren. Webseite und Blogs müssen mit neuen Texten und Bildern versehen werden, auch wenn keine Meisterleitungen an Textqualität und Kunstniveau der Fotos zu stellen sind. Gerade bei letzteren kann man mit einer einfachen Digitalkamera oder dem Handy Megabyte an Bilddaten produzieren. Einige wenige Schnappschüsse pro Tag reichen vollkommen aus, um die Google-Bildersuche innerhalb weniger Wochen regelrecht zu fluten.
Schlussbemerkung
Ich habe hier natürlich aus nachvollziehbaren Gründen nur einen kleinen Einblick in Ihre Möglichkeiten gegeben, wie Sie gegen Cybermobbing vorgehen können und sich im Netz gegen Verunglimpfungen wehren können. Denn die meisten Möglichkeiten stehen natürlich auch den Stalkern offen. Aber der wichtigste Schritt ist immer noch, gegen Cybermobbing aktiv zu werden und dem oder den kranken Psychopathen auf der Gegenseite das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen. Denn Mobbing macht nur Spaß, wenn der Gemobbte einigermaßen hilflos ist. Und das muss niemand sein.
Peter Rachow (April 2012)